7. Cluster Stammtisch - Katastrophenschutz: Cell Broadcast ist keine SMS

Impulsvortrag - "Katastrophenschutz: Cell Broadcast ist keine SMS" von Manuel Atug

Beim 7. Stammtisch gab Manuel Atug, Gründer und Sprecher der AG KRITIS, einen Impulsvortrag über das aktuelle Lagebild der Technik beim Thema Katastrophenschutz und Warnsysteme. Gerade auch vor dem Hintergrund der Flutkatastrophe und dem direkten Austausch mit Mitgliedern, welche selbst zu den Betroffenen zählten, machte die Relevanz dieses Themas noch einmal mehr als deutlich.

Was genau ist die AG Kritis? 

Die AG KRITIS eine vollständig unabhängig von Staat oder Wirtschaft gründetet Arbeitsgruppe, die weder Interessen von Unternehmen noch Wirtschaftsverbänden vertritt., Ihr Ziel ist es einzig und allein, die Versorgungssicherheit der Bevölkerung zu erhöhen. Ihr Engagement ist getrieben von der Motivation, unabhängig von wirtschaftlichen Interessen eine nachhaltige Verbesserung der IT-Sicherheit kooperativ mit allen Beteiligten herbeizuführen.

Aktuell besteht die AG KRITIS aus ca. 42 Fachleuten (Fachfrauen und Fachmänner) und Experten, die sich täglich mit Kritischen Infrastrukturen (KRITIS) beschäftigen. Die Mitglieder kommen aus den Sektoren Energie, Gesundheit, Ernährung, Transport und Verkehr, Finanz- und Versicherungswesen, Informationstechnik und Telekommunikation, Wasser sowie Staat und Verwaltung als auch Medien und Kultur.

Was verbirgt sich hinter Cell Broadcast? 

Der wichtige Unterschied zur SMS - und deshalb auch der Titel - ist, dass beim Cell Broadcast nicht einzelne Rufnummern adressiert werden. Die Warnmeldungen werden allgemein von den Mobilfunkmasten ausgestrahlt, die alle eingebuchten Handys bzw. Smartphones erhalten. Diese erscheint dann sofort, begleitet von akustischen Signalen, auf dem Display und kann je nach Warnstufe auch nur mit Bestätigung „weggeklickt“ werden. Alle Mobilfunkgeräte bzw. Smartphones ab dem 2G-Standard können Warnmeldungen über Cell Broadcast empfangen – also auch die (ganz) alten Geräte. Für die Dauer des Alarms strahlt dann die Funkzelle die Warnmeldung in durchgängig aus, um auch die Geräte zu erreichen die sich neu einbuchen. 

Anders als bei den Apps sind die Warnmeldungen standardmäßig bei allen Nutzern aktiviert. Auch der Umstand, dass eine entsprechende Warnapp aus welchen Gründen auch immer nicht auf dem Smartphone installiert ist, entfällt bei Cell Broadcast gänzlich. Insgesamt können darüber 1.395 Zeichen + Links [Twitter erlaubt 280 Zeichen] versendet werden. Die Nachricht (sofern vorher eingegeben) wird dann automatisch in der auf dem Gerät voreingestellten Sprache angezeigt.

Welche rechtlichen Vorgaben gibt es? 

Der im Jahr 2018 verabschiedete Europäische Kodex für die elektronische Kommunikation schreibt den EU-Mitgliedsstaaten in Artikel 110 vor, "bis zum 21. Juni 2022" sicherzustellen, "dass die Anbieter von mobilen nummerngebundenen interpersonellen Kommunikationsdiensten den Endnutzern öffentliche Warnungen übermitteln". Erst gestern (Mittwoch, 18.08.2021) hat die Bundesregierung die bundesweite Einführung des Warnsystems Cell Broadcast auf den Weg gebracht. "Mit der heute vorgelegten Änderung des TKG steht der notwendige rechtliche Rahmen für die Einführung von Cell Broadcast", erklärte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU).

Reichweite 

Im Zuge des Rückbaus der Sirenenanlagen, die ursprünglich viele Menschen erreichen sollten, hat der Bund ein modulares Warnsystem (kurz: MoWas) aufgebaut, mit dem das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) und die zuständigen Stellen (z. B. Städte, Gemeinden oder Kommunen) Warnmeldungen über verschiedene Kanäle einspielen können. Als zusätzliche Multiplikatoren dienen die Medienanstalten, u.a. die Öffentlich-Rechtlichen. Dazu gehört auch die Warn-App NINA, welche laut BKK ca. 10 Mio. Nutzerinnen und Nutzer hat und damit die höchste Reichweite im Vergleich zu anderen Apps erzielt. D.h. über die NINA Warnapp werden aktuell etwas mehr als 12 % der Bevölkerung in der Bundesrepublik Deutschland erreicht. Das hingegen von der niederländischen Regierung eingesetzte System „NL-Alert“, welches auf der Cell-Broadcast-Technologie aufgebaut ist, erreicht ca. 94 % der dortigen Bevölkerung. 

„Menschen brauchen einen harten Faktor, um zu erkennen, dass es sich um eine Krise handelt.“, so Manuel Atug – Sprecher der AG KRITIS