1.Wer steckt hinter Lakrion und welche Kernkompetenzen bietet Ihr Unternehmen im Bereich Cyber Security?
Hinter Lakrion stehe ich, Nikolas Patso – Gründer und Entwickler mit Sitz in Bonn. Angefangen hat alles mit der Frage, warum verschlüsselte Messenger zwar den Inhalt von Nachrichten schützen, aber nicht die Kommunikationsmuster dahinter. Wer mit wem redet, wann, wie oft – das sagt oft mehr aus als der Inhalt selbst.
Daraus ist Lakrion entstanden: ein verschlüsselter Messenger, der auf drei Schutzschichten aufbaut. Verschlüsselung über das Signal Protocol mit PQXDH Key Exchange (ML-KEM-768 Hybrid) und Double Ratchet, Metadaten-Schutz durch Sealed Sender, Cover Traffic und Connection Randomization, und Angriffsflächen-Reduktion durch die Dormant Architecture.
Die Dormant Architecture ist eine Eigenentwicklung, deren Spezifikation auf Zenodo veröffentlicht ist. Die Idee dahinter: Hochriskante Subsysteme wie Audio-Codecs, UDP-Sockets und Media-Decoder existieren erst im Speicher, wenn beide Seiten aktiv zustimmen. Ohne laufende Objekte gibt es für diese Klasse von Angriffen keine Angriffsfläche.
Die Android-App ist live im Google Play Store verfügbar, das Go-Backend läuft auf einem Server in Deutschland – für Kunden aus regulierten Branchen ist der Standort der Daten oft die erste Frage. Post-Quanten-Schutz greift bei Nachrichten, Sprach- und Videoanrufen sowie Push-to-Talk.
2. Welche konkreten Probleme lösen Sie am wirksamsten?
Das Grundproblem ist, dass bestehende Messenger Nachrichteninhalte verschlüsseln, aber die Metadaten offenlassen. Für eine Kanzlei heißt das:
Selbst wenn alles verschlüsselt ist, lässt sich aus den Kommunikationsmustern ablesen, welcher Anwalt mit welchem Mandanten spricht, wie häufig und zu welchen Zeiten. Allein dieses Muster kann in einem Verfahren verwertbar sein.
Im Gesundheitswesen ist es ähnlich – das Kommunikationsmuster zwischen Arzt und Patient kann Rückschlüsse auf Diagnosen ermöglichen, ohne dass jemand eine Nachricht gelesen hat.
Lakrion macht diese Muster unsichtbar. Sealed Sender verbirgt, wer eine Nachricht sendet. Cover Traffic erzeugt künstlichen Datenverkehr, der echte Kommunikation in Rauschen verschwinden lässt. Connection Randomization verhindert Netzwerk-Fingerprinting. Dazu kommt: keine Telefonnummer nötig,
Tor-Integration mit Kill-Switch, und die Nachrichten werden nach 24 Stunden automatisch vom Server gelöscht.
Technisch basiert die App auf Kotlin mit Jetpack Compose, das Backend auf Go mit PostgreSQL. Die kryptografische Grundlage bildet das Signal Protocol, erweitert um PQXDH mit ML-KEM-768 – ein hybrider Schlüsselaustausch, der klassische und post-quantensichere Verfahren kombiniert. Damit sind
Nachrichten auch gegen die Strategie geschützt, verschlüsselte Daten heute abzufangen und erst später mit Quantencomputern zu entschlüsseln.
Ergänzt wird das durch die Dormant Architecture: Laufzeitobjekte mit hohem Risiko – Audio-Codecs, UDP-Sockets, Media-Decoder – werden erst geladen, wenn beide Seiten aktiv zustimmen. Sie sind also nicht dauerhaft im Speicher, sondern nur dann, wenn sie tatsächlich gebraucht werden. Das reduziert die Angriffsfläche für Zero-Click-Exploits erheblich – genau die Klasse von Angriffen, die in den vergangenen Jahren gegen Journalisten und Anwälte eingesetzt wurde.
3. Was ist Ihre Vision für die nächsten 12–24 Monate?
In den nächsten Monaten steht eine externe Sicherheitsüberprüfung der Kernarchitektur an. Danach folgen die kostenpflichtigen Stufen – Teams und Enterprise – und die Einstellung eines ersten Entwicklers. Im zweiten Jahr soll die iOS-App kommen, eine Administrationskonsole für Unternehmenskunden, und der Aufbau erster B2B-Kundenbeziehungen im deutschsprachigen Raum. Ein zusätzlicher Serverstandort in der Schweiz ist ebenfalls geplant. Langfristig strebe ich die BSI-Zertifizierung an – dass Lakrion in Bonn entsteht, wo auch das BSI sitzt, passt gut zu diesem Weg.
Vom Cyber Security Cluster wünsche ich mir vor allem Zugang zu potenziellen Pilotkunden aus regulierten Branchen – Kanzleien, Gesundheitswesen, Finanzdienstleister. Als technischer Gründer fehlt mir bisher das Netzwerk auf der Geschäftsseite, und genau da sehe ich den größten Mehrwert der Mitgliedschaft. Dazu kommt der fachliche Austausch mit anderen Mitgliedern, die in verwandten Bereichen arbeiten, und die Möglichkeit, Lakrion auf Veranstaltungen des Clusters vorstellen zu können.
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